Natürliche Geburt

Geburt ist ein magisches Ereignis. Das Kind im Mutterleib kennt aus einem ihm innewohnenden Programm genau den Weg, den es nehmen muss. Es spürt seine Mutter und weiß,

Es weiß um die Drehung, die es beim Eintritt der Schultern in das Becken vollziehen muss und tut sie zum genau richtigen Zeitpunkt, es weiß, dass es Kopf und Nacken überstrecken muss, um durch den Geburtskanal zu gelangen. Es weiß, dass es, wenn es einmal draußen sind, seiner Mutter begegnen und das erste Mal an ihrer Brust trinken wird. Es weiß sogar, in welcher Richtung es diese Brust finden kann und hat die Fähigkeit selbständig zu ihr hinzukriechen.

Wenn es nicht gestört wird.

Ebenso weiß eine jede schwangere Frau wie Gebären funktioniert. Sie weiß es nicht mit dem Verstand aber ihr Körper, ihr System kennen den Weg.

Wenn sie nicht gestört wird oder bereits gestört wurde. Dann braucht es unter Umständen Unterstützung, damit sie zu ihrem ursprünglichen Wissen zurückkehren kann.

Die Gebärmutter – dieses erstaunliche Organ – hält sich neun Monate lang fest verschlossen und öffnet sich zum genau richtigen Zeitpunkt zehn Zentimeter weit, kontrahiert und entspannt und zieht sich nach der Geburt auf ihre ursprüngliche Größe zusammen. Niemand muss ihr dabei helfen oder sagen wie das geht.

Geburt ist ein physiologischer Prozess Ein komplexes Geschehen, bei dem vielfältige physiologische und hormonelle Prozesse im Körper der Mutter und im Körper des Kindes ineinander greifen.

Damit Geburt leicht vonstatten gehen, muss sich die Frau vollkommen auf ihr Körperwissen einlassen. Wenig hilfreich sind ihr die Teile ihres Gehirns, die für rationales Denken zuständig sind, der sogenannte Neokortex, im Gegenteil, im schlimmsten Fall können diese den Geburtsprozess vollständig zum Erliegen bringen. Deshalb sind helles Licht, das Ansprechen des Sprachzentrums, viele (womöglich wechselnde) Menschen, Untersuchungen und Apparate eher hinderlich, weil die Frau all dies ausblenden muss, um in den inneren Dialog mit ihrem Körper und ihrem Kind zu kommen.

Eine Atmosphäre der „Privacy“ wie Michel Odent – weltberühmter Arzt und Geburtsbegleiter – ist viel eher geeignet, eine Geburt gelingen zu lassen, dazu gehören: gedämpftes Licht, Ruhe, vertraute, liebevolle Menschen, evtl. Berühung.

Sowohl der Körper der Frau als auch der Körper des Kindes tragen in sich eine Erwartung wie Geburt stattfinden wird. Werden sie in diesem Ablauf unterbrochen oder gestört, bleibt die Erwartung als unabgeschlossener Prozess in ihrem Körper gespeichert und derselbe behält sein Bestreben, diesen Prozess zu Ende zu führen.

Geburt ist ein emotionales Abenteuer Wellen kreisen sacht rhythmisch steigen steigernd brodeln schwappen brausen ebben Stille Wellen Wellen reiten tanzen Becken kreisen zwei noch eins im Tanz des Lebens Atem Stimme Welle Tanz Atem Stimme Sturm erhebt sich, leise schleichender Drache erwacht Atem Atem Stille zwei noch eins bereit sich zu trennen erste Reise zwei in eins du und ich du stößt und und reist langsam stetig kennst den Weg durch den Kanal ich Hingabe Leben pures Leben Atem kreise Welle Welle Sturm Tornado du und ich, bald seh ich deine Augen erstes Mal erstes Mal geht es dir gut? Du mir bekanntes unbekanntes Wesen weißt du gerade mehr als ich? Stille Atmen Pause Welle steigt steigt bricht und ebbt du und ich im Tanz der Ewigkeit alltägliches Wunder grenzenloses Vertrauen jetzt nur jetzt jetzt immer jetzt Welle Stille Atem Tanz Ton und Kraft Bewegung Atem still still still du und ich wir kennen den Weg Aufregung um uns, Fragen Geschäftigkeit bedeutungslos du und ich wir reisen die uralte Reise seit Anbeginn der Zeit wir kennen sie und sie kennt uns steigende tosende Flut Tornado Entspannung im Auge des Hurrikans du und ich hingegeben ans Leben selbst Welle oh nicht mehr nicht mehr berstender Schaum Kraft der Kräfte in mir in dir und plötzlich

Unfassbarkeit

Überwältigtsein

Liebe grenzenlos

wortloses Glück

größer als alles je gekannte größer als alles je gesagte gefühlte getane

du, da bist du, Wesen still vertraut ewig bekannt neu und wunderschön

wer bist du, Kind? mein Kind? Ich liebe dich, liebe dich, liebe dich

nur Worte Worte nur, aber du

und ich….

Geburt ist ein politisches Ereignis. Den wenigsten ist das bewusst, doch die Art wie die Kinder zur Welt kommen, beeinflusst entscheidend, in welcher Gesellschaft man lebt. Selbstverständlich gilt auch das Gegenteil. Die Gesellschaft prägt den Umgang mit Geburt. Welche Mythen werden erzählt? Gilt Geburt als etwas natürliches, magisches, gefährliches, …?

Menschen sind zu komplex, als dass monokausale Erklärungen zutreffen würden. Das ist ein Grund, warum die Zusammenhänge zwischen Geburtspraxis und späteren Schwierigkeiten im Leben noch völlig unzureichend erforscht sind. Zum anderen sind die Zeiträume, welche die Wissenschaft dann wählen müsste, so lang, dass sie u.U. das Lebenswerk eines Einzelnen darstellen würden und wer kann sich schon leisten, dann womöglich mit seiner These keinen durchschlagenden Erfolg zu erzielen und wer würde das auch bezahlen?

Dennoch würde es sich lohnen. Viele Fragen liegen so nah. Hängt der frühkinldiche Autismus mit einer Störung des Bonding innerhalb der ersten Lebensstunde zusammen? Manchmal oder nie?

Haben ADHS-Kinder im Mutterleib mehr Stress erlebt als andere? Wurde ihre Geburt gestört oder verlief sie normal? Haben Kinder mit Trennungsängsten signifikant öfter eine Trennung von den Eltern nach der Geburt erlebt?

Alle alten Hochkulturen, die ihren Erfolg wesentlich auch durch kriegerisches Verhalten errangen, störten die Geburt und die frühe Bindung zwischen Mutter und Kind. Indem sie beide sofort voneinander trennten oder dem Kind Schmerzen zufügten oder oder. Damit wollten und konnten sie den Nachschub an „guten“ Kriegern sicher stellen, denn Menschen, die viel Angst erlebt haben, sind gewaltbereiter als andere und ihr Einfühlungsvermögen wird weniger ausgeprägt sein, wenn ihnen mit wenig Einfühlung begegnet wurde.

Michel Odent, der seit Jahrzehnten Geburten begleitet und die Bedeutung von Geburt auf das spätere Leben und die Gesellschaft erforscht, stellte fest, dass der hohe Drogenkonsum in den 70er Jahren gerade jene Generation junger Menschen betraf, die zu einer Zeit geboren wurden, als der Einsatz „schmerzstillender“ Narkotika unter der Geburt Routine wurde. Vergleichbare Routinen gibt es noch immer.

Wer will eine Gesellschaft, die aus wenig wachen, fremdbestimmten, verängstigten Menschen besteht?

Und wollen Sie das auch?

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