Kaiserschnittkinder im Alltag

Kaiserschnittkinder im Alltag sind wie alle Kinder individuell verschieden. Es lässt sich jedoch beobachten, dass einige von ihnen öfter weinen und sicheren Halt für ihre Tränen, ihre Panik und ihre Wut brauchen. Sie fordern oft Hilfe heraus und haben meist Mühe, Dinge aus eigener Kraft zu einem Ende zu bringen. Es ist ihnen aber nicht damit gedient, wenn ihre Eltern ihnen deswegen Dinge abnehmen, vielmehr brauchen sie Ermutigung und Unterstützung, um es doch selbst zu schaffen (andernfalls wird das Geburtstrauma nur wiederholt). Sie können oft nur schwer eigene Grenzen und die anderer respektieren und haben meist auch wenig Angst, Risiken einzugehen. Andererseits können sie sehr anhänglich sein und starke Trennungsängste haben. Es hilft ihnen, wenn Erwachsene ihre Gefühle anerkennen und empathisch begleiten. Sie arbeiten oft hastig, überspringen die kleinen Schritte, finden aber andererseits nur schwer einen Abschluss. Heilsam kann es sein, wenn Erwachsene selbst langsam sind, das Kind immer wieder ermutigen und üben lassen und Langsamkeit würdigen.

In der menschlichen Psyche gibt es keine monokausalen Erklärungen für irgendetwas und es kann sein, dass ein Kaiserschnitt kein einziges Verhalten zeigt, welches als “typisch”. Wenn es jedoch ein solches Verhalten an den Tag legt, dann kann es ihm sehr hilfreich sein, wenn seine Eltern oder andere Erwachsene dabei an seine Geburt denken und ihm helfen, diese zu verarbeiten. Als “typisches” Verhalten kann neben dem oben genannten, auch beobachtet werden, dass Kaiserschnittkinder häufig Schubladen ausräumen, ihr Spielzeug zerlegen und Entführung spielen. Beim Krabbeln benutzen einige von ihnen die Füße nicht, wohl weil sie bei ihrer Geburt die Überzeugung gefasst haben, dass ihre Stoßbewegungen nicht gebraucht und gewollt werden.

Sie können insgesamt die Tendenz haben schnell aufzugeben, wenn die Lösung nicht gleich da ist. Andererseits können sie schnelle Problemlöser, Vorausdenker und Führungstypensein. Bei der Umsetzung scheitern sie dann jedoch oft. Es hilft ihnen nicht, wenn man ihnen die kleinen Schritte abnimmt, denn dann lernen sie, dass ihre Impulse nicht wichtig sind und sagen schließlich zu allem „es-ist-doch-egal“. Vielmehr brauchen sie Ermutigung, klare Grenzen, viel Körperkontakt – auch im Rangeln, bei dem sie es schaffen (nicht siegen) – und sichere Räume, in denen sie nicht zu etwas gedrängt werden, sondern in ihrem eigenen Tempo ihre eigenen Impulse umsetzen können. Vor allem auch in der Schule brauchen sie ein sicheres Klassenzimmer und einen guten Kontakt zu den LehrerInnen. Kontaktabbruch kann das Trauma wieder aufleben lassen. Reize sollten sparsam gesetzt sein, um den Impulsen des Kindes Raum zu geben. (1)

weiterlesen

Der gesamte Text zum Kaiserschnitt als pdf zum Herunterladen mit Quellenangaben zu den genannten Studien:

Kaiserschnitt.pdf

1. Klaus Käppeli, Die Kaiserschnitt- Geburt im Erleben des Kindes – Zusammenfassung eines Vortrags, Februar 2009.