Geburt integrieren

Wenn ein Kind geboren wird, beginnt für die ganze Familie ein neues Leben. Selten bleibt dann die Muße auf das überwältigende Ereignis, dass diesen Wandel eingeleitet hat, Rückblick zu halten.

In der Schwangerschaft und Geburt eines Menschen und der Art wie er diese erlebt geschehen die wesentlichen Prägungen des Lebens. Je früher dabei eventuell entstandene Traumen aus dem Zell- und Körpergedächtnis entlassen werden, desto freier und leichter kann sich der Mensch entwickeln und in sein ganzes Potential hineinwachsen. William Emerson beschreibt wie früh Kinder ihre individuellen Fähigkeiten ausbilden, wenn ihre Energien nicht durch unaufgelöste Geburtstraumata festgehalten bleiben. (siehe: Emerson: Behandlung von Geburtstraumata bei Säuglingen und Kindern)

big_29413700_0_300-225Besonders wenn der Übergang der Geburt Störungen erfahren hat - wie z.B. Einleitung der Geburt durch Wehenmittel, PDA, Kaiserschnitt, Saugglocke, Frühgeburten oder Trennung von den Eltern in der kritischen Phase der Selbstanbindung des Säuglings an die Mutter in der ersten Stunde seines Lebens - ist es sehr sinnvoll, dieses Ereignis in einen heilsamen Raum zu tragen und zu integrieren, denn wenn wir diese Prägung verstehen und anerkennen, ermöglichen wir es, ein Leben zu führen, in welchem sie nicht (mehr) reinszeniert werden muss.

Zum Beispiel ist eine Trennung nach der Geburt manchmal eine notwendige und lebensrettende Maßnahme, die jedoch die Beziehung zwischen Eltern und Kind massiv stören kann. Das Gefühl des Einanderfremdsein seitens der Eltern, Misstrauen auf seiten des Kindes, Still- und Schlafprobleme sind als Folgen keine Seltenheit. Eine solche Trennungserfahrung kann mit Unterstützung anerkannt, betrauert und losgelassen werden. Eine neue Erfahrung ermöglicht eine in Zukunft innigere Bindung zwischen Eltern und Kind.

Genauso brauchen Eltern manchmal Raum um das Erlebte aufzuarbeiten, damit sie um  Verpasstes/Vereilteltes/Anders Erhofftes trauern und gemeinsam mit dem Kind nachholende Erfahrungen machen können.

Wie bei den anderen körpertherapeutischen Angeboten gehen wir auch bei der Integretation des Geburtserlebnisses in die Verlangsamung und das Körperbewusstsein, so dass sich entstandene Schwierigkeiten auf Zellebene wieder auflösen können.

Die Geburt dieses Kindes bleibt wie sie ist und wird für immer die Grundmelodie seines Lebens darstellen. Jedoch kann diese Melodie in ihrer Schönheit und ihrem Potential erfahrbar werden statt dass der Mensch – und jene in seiner Umgebung – (unbewusst) seiner Prägung ausgeliefert ist.

In der Arbeit beobachten wir immer wieder wie viel freier und inniger sich Eltern und Kind und die Eltern untereinander begegnen, wenn diese Grunderfahrung des gemeinsamen Lebens Zeit und Raum fand geheilt und integriert zu werden.