Erwachsene Kaiserschnittgeborene

Erwachsene Kaiserschnittgeborene

haben mitunter ebenfalls die Tendenz, die kleinen Schritte, die Detailarbeit zu überspringen, ihre Projekte aus eigener Kraft nicht zu beenden, sondern stattdessen lieber etwas neues zu beginnen wie William Emerson belegt (1). Er beschreibt dies so, dass sie sich lieber selbst unterbrechen, bevor die Unterbrechung von außen geschehen kann. Sie vermeiden Tätigkeiten oder unterbrechen Tätigkeiten, um die Unterbrechung zu vermeiden.

Die Erfahrungen ihrer Geburt können im späteren Leben ein grundlegendes Misstrauen bzw.fehlendes Vertrauen anderen gegenüber bedingen, was das Führen intimer Beziehungen außerordentlich schwierig macht. „Diese erste psychologische Grenzverletzung kann lebenslange Auswirkungen auf Intimität und die Bereitschaft haben, sich wirklich voller Vertrauen auf andere einzustellen.“ (Ilka-Maria Thurmann)(2) Hinzu kommt der taktile Schock und der fehlende Durchgang durch den Geburtskanal, was einerseits eine Scheu vor Berührungen bedingen und andererseits ein weniger ausgeprägtes Körpergefühl  – sich wenig im Körper spüren bzw. beheimatet fühlen – begründen kann.

Wenn das Trauma nicht in einem liebevollen Umfeld in einem großen Ausmaß aufgefangen wurde, kann es noch weit pathologischere Schwierigkeiten bedingen – wie Autismus (3), Schizophrenie (4), Gewaltbereitschaft oder Gewalttätigkeit (5)….

William Emerson beschreibt verschiedene Kaiserschnittgeborene mit unterschiedlichen Problemen am Arbeitsplatz und in der Familie. Eine reinszinierte ihr Trauma auf die Weise, dass sie wichtige Informationen nicht an ihren Chef weiterreichte und ihn auf diese Weise veranlasste, plötzlich und unerwartet in ihr Zimmer zu stürmen. Ein Mann erlebte jedes Mal, wenn sein Chef in sein Zimmer kam, Angst und Klaustrophobie. Seine Frau empfand er als aufdringlich, v.a. wenn sie ihm bei etwas helfen wollte, er hatte dann den Eindruck, „sie hindere ihn, seine Aufgabe zu erledigen“(6). In diesem Sinn wählen sie eher Tätigkeiten, bei denen die Distanz sicher gewahrt bleibt.

Ein Trauma wird an zwei Stellen des Kaiserschnitts am ehesten entstehen 1. dem Zeitpunkt der Betäubung der Mutter, bei welchem ein Narkoseschock ausgelöst werden kann und 2. dem Zeitpunkt der Öffnung des Uterus und des Herausgehobenwerdens aus demselben, was insgesamt etwas eine Minute dauert vii. Das Kind muss dabei von unten nach oben herausgezogen und, da es glitschig ist, hart angefasst werden. Beide Traumata können von Erwachsenen entweder in direkter oder in umgekehrter Weise reinsziniert werden, womit eine Seele den Versuch unternimmt, das Erlebte zu heilen. Wenn wir es vermögen, eine Reinszenierung als solche zu lesen, ist dies bereits ein Schlüssel zur Befreiung vom Trauma.

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1 William Emerson, Geburtstrauma, In: Janus, Haibach, Seelisches Erleben vor und während der Geburt, , LinguaMed Neu Isenburg, 1997.

2 Ilka-Maria Thurmann, Therapeutische Arbeiten mit kindlichen Geburtstraumen, In: kinderkrankenschwester 25.Jg. (2006) Nr.12, S. 507.

3 http://www.wombecology.com/?pg=caesareans

4 http://www.wombecology.com/?pg=antisocial

5 William Emerson, Geburtstrauma, In: Janus, Haibach, Seelisches Erleben vor und während der Geburt, , LinguaMed Neu Isenburg, 1997.

6 Ebda.