“Erste Hilfe”

Erste Hilfe rund um den Kaiserschnitt

Wenn ein Kaiserschnitt notwendig wird, ist es wahrscheinlich eine der größte Herausforderungen, die Ruhe zu bewahren. Hier sind vor allem das Klinikpersonal und der Partner gefordert, die Frau emotional zu untersützen, da Frauen an diesem Punkt meist in einen Schock fallen und einfach geschehen lassen. Berührkontakt kann Wunder wirken…(z.B. Die Hand oder die Füße halten).

Eltern und Kind brauchen Zeit, um sich auf die veränderte Situation einzustellen.

Obwohl es nun eine Operation geben wird, geht es immer noch um die Geburt eines neuen Menschen und sein Empfang verdient es wie jeder andere respektvoll, liebevoll und achtsam, voll Wärme und Geborgenheit gestaltet zu werden.

Es ist überaus wichtig, in Kontakt mit dem Kind zu sein, ihm zu kommunizieren – als innerer Dialog oder auch als ausgesprochene, laute Ansprache- was nun passieren wird. Wenn die Mutter dies nicht mehr tun kann, dann sollte es der Vater oder eine andere Bezugsperson tun: anwesend sein und bleiben und im stetigen Kontakt zu dem kleinen Menschen, dessen Weg aus der Gebärmutter nun so ganz anders aussehen wird als er es erwartet.

Dieser Kontakt kann die traumatische Wirkung eines Kaiserschnitt wesentlich mildern.

Wenn der Kaiserschnitt erfolgt und es die Gesundheit des Kindes erlaubt, sollte esunverzüglich Hautkontakt mit seiner Mutter haben können und auch ein erstes Mal an ihrer Brust trinken dürfen. Wenn seine Mutter weitergehende Versorgung benötigt, sollte Hautkontakt mit dem Vater oder einer anderen Bezugsperson ermöglicht werden. Wenn aufgrund des Gesundheitszustands des Kindes weitere Versorgung notwendig ist, sollteimmer jemand bei ihm bleiben, es begleiten und in Kontakt mit ihm sein. Auf keinen Fall sollte ein Neugeborenes allein gelassen werden, schon gar nicht in einer potentiell lebensgefährlichen Situation.

In der ersten Zeit mit dem Kind können Eltern es unterstützen, indem sie ihm viel Haut-zu-Haut-Kontakt mit sich ermöglichen, welcher dem Kind Sicherheit vermitteln und seinVertrauen wieder stärken kann – so wird (nachholendes) Bonding möglich. Da Kaiserschnittkinder häufig berührungsempfindlich sind, sollte das Kind die Intensität des Kontakts bestimmen dürfen.

big_28583021_0_188-150Um den Schock zu verarbeiten, können Eltern ihrem Kindsanfte Babymassage zukommen lassen, beispielsweise Schmetterlingsmassage nach Dr. Eva Reich. (http://www.praxis-eltern-kind.de/htm/profil.htm – Link zu Mechthild Deyringer). Begegnungen mit dem Kind sollten langsam stattfinden – im Gegensatz zu seiner schnellen Geburt – und ihm angekündigt werden. „Nun nehme ich dich hoch….“ – warten – das Kind hochnehmen. (dieses Ankündigen genießen im Übrigen alle Kinder, egal wie sie geboren wurden).

Brigitte Renate Meissner beschreibt eine Baderitual für Kaiserschnittgeborene, das den Körper harmonisieren und das Trauma reduzieren kann (1) .

Besonders hinweisen möchten wir an dieser Stelle auf die Möglichkeiten den natürlichen Geburtsweg, wie er im System des Kindes angelegt ist, im therpeutischen Setting nachzuholen.

In einem achtsamen, von Wertschätzung getragenen Setting für Eltern und Kind können Gefühle Raum erhalten und verarbeitet werden. Dem Kind kann die Möglichkeit gegeben werden, seinen Geburtsweg nach zu spielen und ihn so auf seine Art zu beenden und ganzheitlich betrachtet abzuschließen.  Dieses als „Repattering“ bezeichnete Vorgehen überschreibt quasi die (traumatische) Geburtserfahrung. Kinder verfügen über eine unglaubliche Kreativität, auf ihre Weise das Erlebte auszudrücken und die fehlenden Mosaiksteine, die sie für ihre Heilung benötigen zu entwickeln. Wenn sie darin verstanden werden, braucht es oft gar nicht viel. Wenn sie nicht verstanden werden, was leider noch häufig geschieht, weil wir nicht gewohnt sind, Zusammenhänge dieser Art herzustellen, kann es zu wiederholten dramatischen Unfällen oder anderen „unerklärlichen“ Schwierigkeiten kommen.

Genauso wie das Kind brauchen eine Mutter und ihr Partner (oder ihre Partnerin) Zeit und Raum für ihre Gefühle und Gedanken, brauchen Halt und Verständnis, um das, was geschehen ist zu integrieren. Auch sie hat eine schmerzliche Erfahrung gemacht. Sie müssen wissen, dass sie nichts falsch gemacht haben und dass ihr Kind keinen schlechteren Start ins Leben haben wird, wenn es gehalten ist, seine Gefühle anerkannt werden und es seine Erlebnisse verarbeiten darf.

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1. Brigitte Renate Meissner, Kaiserschnitt und Kaiserschnittmütter, Brigitte Meissner Verlag, 2. Aufl. 2010.

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