Eingriffe Geburt

Geburt

Jeder Eingriff in den natürlichen Ablauf einer Geburt hat ungewollte und zum Teil auch ungeahnte Nebenwirkungen.

Einige können wir unmittelbar beobachten und nachvollziehen, z.B. kommt es nach einer PDA signifikant häufiger zu einer Instrumentengeburt bzw. einem Kaiserschnitt. Vermutlich, weil die Gebärende sich unter der Betäubung weniger bewegt, das Kind sie weniger spürt, dadurch in Angst oder Stress gerät, was zu einem Abfallen der kindlichen Herztöne führt und dann ein schneller Abschluss der Geburt erforderlich ist.

Andere sind erst bei näherem Hinschauen zu erkennen. Zum Beispiel welchen hemmenden Einfluss es auf die Wehentätigkeit und damit einen positiven Geburtsverlauf hat, wenn der Neokortex, also die Verstandestätigkeit einer Frau während der Wehen angeregt wird wie es z.B. durch eine Dauerüberwachung mittels CTG geschehen kann. Wenn sie zudem Momente von Angst empfindet und Adrenalin ausschüttet (was ein Körper automatisch tut, wenn Gefahr zu drohen scheint, um Flucht oder Kampf zu ermöglichen) kommen die Wehen zu einem Stillstand. Entwicklungsgeschichtlich macht dies Sinn, dass eine Frau ihr Kind nicht in eine Gefahrensituation gebiert, sondern sich erst in Sicherheit bringt. Dafür müssen die Wehen für die Dauer der „Flucht“ aussetzen.

big_29404383_0_148-159Und schließlich gibt es noch vielfältige Langzeitwirkungen, an die zunächst niemand gedacht hätte und die erst allmählich ins Blickfeld der Forscher kommen. Zum Beispiel die erhöhte Gefahr einer späteren Suchtmittelabhängigkeit eines Menschen, dessen Mutter unter der Geburt Schmerzmittel erhalten hat oder die höhere Gefahr an Autismus oder Asthma zu erkranken, wenn es eine Kaiserschnittgeburt, vor allem eine Kaiserschnittgeburt ohne vorherige Wehentätigkeit, war.

Da diese kurz- und erst recht die langfristigen Auswirkungen von Eingriffen in den Geburtsverlauf in den Krankenhäusern noch weitgehend unbeachtet bleiben, liegt es unseres Erachtens in der Verantwortung der Eltern sich zu informieren, eine möglichst ideale Geburtsumgebung zu schaffen und sich auf einen verantwortungsvollen Umgang mit eventuellen, im Einzelfall vielleicht durchaus notwendigen, Eingriffen vorzubereiten.

Denn gerade wenn eine Geburt nicht optimal verläuft, hängt es entscheidend von dem Verhalten der Eltern ab, ihrer Präsenz und Bindung zum Kind, dass dieses Erlebnis gut zu bewältigen ist.

Das Schlimmste an schlimmen Erfahrungen ist – und das wissen wir alle – wenn wir mit ihnen allein und unverstanden bleiben. Liebe, Einfühlung, Verständnis und Angenommensein lindern unseren Schmerz und ermöglichen uns die Verarbeitung des Erlebten. Dies gilt ganz besonders für Kinder, die noch wenig eigenständige Ressourcen aufbauen konnten. Wenn Sie wissen und anerkennen, was ihr Kind bei seiner Geburt erlebt habt, dann können Sie es sicher angemessen begleiten.